In New York verteufeln Gesundheitsbehörden die Fette, in denen Donuts und Pommes Frittes gebacken werden: Deswegen sollen sie nun verboten werden. Die Gastronomen in der US-Metropole schreien auf. Deutsche Experten appellieren an die Vernunft.

 


Die Fette, in denen die Donuts und Pommes Frittes ausgebacken werden, sehen nicht nur ungesund aus - sie sind es auch, und machen zudem krank. Deswegen hat Dänemark diese Transfette längst aus den Nahrungsmitteln verbannt. Jetzt verlangen sogar erste Gesundheitsbehörden in den USA, dem Land des Fast Food und der dazugehörigen Transfette: Weg damit! In den rund 24.600 Speiselokalen von New York sollen zukünftig keine Lebensmittel mit künstlichen Transfettsäuren mehr angeboten werden. In Chicago will man ebenfalls weg von dem besonders bösen Fett. Und was ist mit Deutschland? Werden auch hierzulande Donuts, Pommes Frittes und Co. der Kampf angesagt? Die künstlichen Transfette entstehen bei der industriellen Härtung und wenn bestimmte Fette besonders stark erhitzt werden. Deswegen finden sie sich in fast jedem Fast-Food-Gericht, seien es Hähnchenteile, Pommes Frittes oder Donuts. Auch in Kartoffelchips, Keksen und industriellen Backwaren sowie in Margarinen und Fertigprodukten können die ungesunden Fette stecken. Ungesund sind die Schnellimbissfette insbesondere, weil sie fetter machen. Das zeigt auch ein Tierversuch, über den unlängst in dem Wissenschaftsmagazin "Nature" berichtet wurde.
Mediziner der Wake Forest University in North Carolina ernährten eine Gruppe männlicher Affen mit einer für westliche Industrieländer typischen Kost - sie bestand zu 35 Prozent aus Fett. Acht Prozent der gesamten Kalorien stammten dabei von Transfetten aus Sojaöl. Das entspreche einer Mahlzeit mit mehreren Portionen Fritten und Cheeseburger am Tag beim Menschen.


Affen mit Bauchansatz wie Menschen

Nach sechs Jahren - was einer menschlichen Lebenszeit von etwa 20 Jahren entspricht - hatten die mit Transfetten gefütterten Affen etwa sieben Prozent an Gewicht zugelegt.


Die Tiere der Kontrollgruppe mit gleicher Kalorienmenge, aber gesünderen Fetten brachten nur zwei Prozent mehr auf die Waage als zu Beginn der Studie. Außerdem hatten die mit Transfetten gefütterten Affen 30 Prozent mehr Bauchfett als die Tiere aus der Kontrollgruppe (mehr...) - weil sich bei ihnen das ganze zusätzliche Gewicht nur am Bauch angesetzt hatte und weil gleichzeitig schon bestehendes Fettgewebe zur Bauchregion gewandert war.
"Das passt zu der Vorstellung, dass Fettsäuren eben nicht einfach nur Kalorien sind", kommentierte der Ernährungsspezialist Darish Mozaffarian von der Harvard School of Public Health in Boston im Online-Nachrichtendienst der Fachzeitschrift "Nature".


Die Transfette machen aber nicht nur dick, sondern auch krank: Sie lassen ähnlich wie gesättigte Fettsäuren die Blutspiegel des gesundheitlich bedenklichen LDL-Cholesterins ansteigen lassen - und gleichzeitig die des unbedenklichen HDL-Cholesterins senken. Daher kann der übermäßige Verzehr das Herz-Kreislauf-System belasten: Die Arterienverkalken; bei Menschen mit transfettreichen Leibgerichten erhöht sich das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko.


Daher empfehlen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Lebensmittel wie Fast Food, Pommes Frittes, Kartoffelchips, aber auch Schokolade und süße Backwaren nur in geringen Mengen zu verzehren. Angela Bechthold von der DGE empfielt, bei Kuchenrezepten nur die Hälfte der angegebenen Fettmenge zu verwenden.


Appell: Weniger Transfett-haltige Lebensmittel essen

Das BfR rät zudem, Produkten mit dem Hinweis im Zutatenverzeichnis "gehärtete Fette" zu meiden, da Verbraucher bei diesen Produkten davon ausgehen können, dass sie Transfettsäuren enthalten. Komplett meiden lassen sich die Transfette aber nicht, schränkt Bechthold gegenüber SPIEGEL ONLINE ein. "Transfette sind von Natur aus in Butter und Milch, weil sie in den Pansen von Kühen und Schafen gebildet werden."


Beliebt sind die Industriefette trotzdem: bei Lebensmittelherstellern und Fast-Food-Ketten. Die Transfette sind länger haltbar und verändern sich auch bei hohen Temperaturen nicht. Gleichmäßig werden sie indes nicht eingesetzt, sondern in ganz unterschiedlichem Umfang - und das bei ein- und denselben Schnellimbiss-Ketten.


Im Frühjahr hatten Forscher aus Kopenhagen in der Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" Pommes Frittes und Chicken Wings aus McDonald's-Restaurants miteinander verglichen. In New York, Johannesburg und London enthielten die Speisen weitaus mehr Transfette als etwa in Wien. Bei der Schnellimbisskette Kentucky Fried Chicken erreichten Nahrungsmittel aus Osteuropa, Peru und Südafrika besonders hohe Werte. Die Proben aus Deutschland lagen in beiden Fällen im unteren Bereich der Skala. Im Land der Wissenschaftler selbst wären sie indessen noch niedriger ausgefallen: Bereits seit 2004 sind in Dänemark Transfette verboten.


In Deutschland wird man auch weiterhin nicht so rigoros gegen die Transfette vorgehen. Das Ernährungsverhalten ließe sich nunmal nur schwer ändern, so Bechthold. Sie appelliert deswegen an die Vernunft jedes einzelnen - und zur Selbstkontrolle.


Quelle: fba/stx/AP